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Der schwedische Plus-Test: Der Crashtest für Reboarder

Plustestsiegel-schwedischer-Plustest-Britax-Roemer-Swingfix-i-SizeDer schwedische Plus-Test: mehr als nur ein Crashtest für Kindersitze

Im Jahr 1993 wurde die Kindersitzpflicht für die Mitnahme von Kindern im Auto in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen. Seither gibt es verschiedene Institutionen, die regelmäßig Kindersitze auf ihre Sicherheit (und teilweise auch auf ihre Handhabung, Bedienung und Ergonomie) testen. Wie zum Beispiel der ADAC, der zusammen mit dem ÖAMTC, dem TCS und der Stiftung Warentest regelmäßig zweimal im Jahr Kindersitztests durchführt. Die Ergebnisse des ADAC-Kindersitztests werden 2-mal im Jahr, im Mai und im Oktober, veröffentlicht. 

Weniger bekannt, dafür umso härter ist der schwedische Plus-Test.

Was ist der schwedische Plus-Test?

Der schwedische Plus-Test wurde gemeinsam von VTI (nationales Institut für Straßen- und Verkehrsforschung), NTF (schwedische Verkehrssicherheitsorganisation), Folksam (Versicherungsgesellschaft), SIS (schwedische Normungsorganisation), Volvo und Vertretern von Herstellern von Kinderrückhaltesystemen entwickelt. Er gilt als ein sehr strenger und anspruchsvoller Crashtest für Kindersitze.

Beim Plus-Test liegt das Hauptaugenmerk auf dem Frontalcrash, der Art von Unfall, die häufig mit Schwerverletzten oder Toten endet. Frontalkollisionen sind mit knapp 2/3 die häufigste Unfallart.

Der Plus-Test findet auf freiwilliger Basis statt und ist besonders interessant, weil bei diesem Kindersitztest die Belastungswerte im Nacken- und Halsbereich gemessen werden. Die erlaubten Maximalbelastungswerte sind sehr niedrig angesetzt, etwa halb so hoch wie bei vergleichbaren Tests. Der Grundgedanke ist es, die schweren Verletzungen, die gerade bei Kleinkindern auf Grund ihrer Anatomie in diesem Bereich auftreten, so zu minimieren, dass kein Kind (in einem Sitz, der den Plus-Test bestanden hat) schwere oder tödliche Verletzungen erleidet.

Ein vorwärtsgerichteteter Kindersitz und ein Reboarder im Vergleich

Wir haben den VTI selbst schon einmal gemeinsam mit BeSafe besucht und uns einen Crashtestversuch angesehen. Bei unserem Besuch nutzte der VTI einen Kindersitz für den Test, der kein Plus-Test erhalten kann, weil er nicht nur rückwärts-, sondern auch vorwärtsgerichtet in das Auto eingebaut werden kann und beim Einbau in Fahrtrichtung zu hohe Belastungswerte auf das Genick wirken.

Der Kindersitz wurde zweimal gecrasht - einmal in und einmal entgegen der Fahrtrichtung. Bei der Auswertung zeigten sich deutliche Unterschiede bei den Belastungswerten: Im vorwärts eingebauten Zustand wirkten Kräfte in Höhe von 1.925 Newton auf den Nacken des Dummys, im rückwärts eingebauten Zustand war die Belastung mit 533 Newton deutlich geringer. Der VTI ist strikt: Nur Sitze, die in beide Richtungen eingebaut überzeugen, erhalten das begehrte Plustest-Siegel.

Deshalb sind die Belastungswerte auf das Genick so wichtig

Wussten Sie, dass die Proportionen eines Kleinkindes nicht zu vergleichen sind mit denen eines Erwachsenen? Der Kopf eines Kleinkindes macht ca. 25 % seines Körpers aus, wobei die Nackenmuskulatur noch nicht so stark ausgeprägt ist, dass diese im Fall eines Unfalls dem großen Kopf Halt geben kann. Zum Vergleich: Der Kopf eines Erwachsenen macht nur noch ca. 6 % seines Körpers aus und seine Muskulatur ist deutlich stärker.

Deshalb ist es wichtig, einen Kindersitz zu verwenden, der das empfindliche Genick und den vergleichsweise schwerden Kopf des Kindes gut schützen kann - einen Reboarder.

Diese Belastungsgrenzen gelten beim schwedischen Plus-Test:

  • 1.220 N für einen Kindersitz, der mit dem Q3-Dummy geprüft wird (Kindersitzgruppe 1 für Kinder bis 18 Kilogramm bzw. Kindersitze bis 105 cm nach neuer "i-Size"-Norm)
  • 1.680 N für einen Kindersitz, der mit dem Q6-Dummy geprüft wird (Kindersitzgruppe 2 für Kinder bis 25 kg)


Die Aufprallgeschwindigkeit beim Plus-Test liegt mit 56 km/h etwas höher als bei den Zulassungstests, die alle Kindersitze durchlaufen müssen. Der Bremsweg ist hierbei verkürzt, was den Aufprall nochmal verstärkt. Die Grenzwerte für die Belastung im Hals- und Nackenbereich sind beim Plus-Test so niedrig angesetzt, dass es bislang keinem vorwärtsgerichteten Sitz möglich war, diesen Crashtest zu bestehen.

Plus-Test-schwedischer-VTI-Versuchsaufbau

Foto: Versuchsaufbau schwedischer Plus-Test beim VTI in Schweden

Worin liegt der Unterschied zwischen dem schwedischen Plus-Test und dem Kindersitztest des ADAC?

Beim Crashtest des ADAC fließt die Sicherheit nur zu 50% in das Endergebnis ein. 50% machen auch Bedienung und Ergonomie aus. Damit ist das Endergebnis in Hinblick auf die Sicherheit nur bedingt aussagekräftig.

Hat ein Kindersitz dagegen den Plus-Test bestanden können Sie sicher sein, dass dieser die besonders hohen Sicherheitsstandards erfüllt und Ihr Kind im Falle eines Falles optimal geschützt ist.

Welche Sitze haben den schwedischen Plus-Test bestanden?

Auf Grund der Vorgehensweise beim Plus-Test und der vorgegebenen Grenzwerte, haben bis jetzt  nur rückwärtsgerichtete Kindersitze, so genannte Reboarder, den Test bestanden.

Diese Kindersitze haben den schwedischen Plus-Test bestanden:

  • Avionaut AeroFix RWF
  • Axkid Minikid 1.0 und 2.0
  • Axkid Modukid Seat
  • Axkid Move
  • Axkid Rekid
  • Axkid Wolmax
  • Baby-Safe Akita / Beemo Reboardkindersitz
  • Besafe iZi Kid X3
  • Besafe iZi Kid X3 Isofix
  • BeSafe iZi Kid X1 i-Size
  • BeSafe iZi Kid X2 i-Size
  • BeSafe iZi Kid X3 i-Size
  • BeSafe iZi Modular RF i-Size 
  • BeSafe iZi Modular RF X1 i-Size
  • BeSafe iZi Modular A RF X1 i-Size
  • Besafe iZi Plus
  • BeSafe iZi Plus X1
  • BeSafe iZi Twist B i-Size
  • BeSafe iZi Twist B-E i-Size
  • BeSafe iZi Twist i-Size
  • Britax Römer Hi-Way II
  • Britax Römer Max-Way
  • Britax Römer Max-Way Plus
  • Britax Römer Max Fix I
  • Britax Römer Max Fix II
  • Britax Römer SwingFix i-Size
  • Britax Römer SwingFix M i-Size
  • Concord Reverso Plus
  • Graco Be Logic
  • Graco DuoLogic 2
  • Joie i-Spin Safe
  • Joie i-Spin Safe R
  • Joie Spin Safe
  • Klippan Century
  • Klippan Kiss 2 (Plus)
  • Klippan Opti 129
  • Maxi Cosi Pearl One i-size
  • Nuna Norr i-size
  • WOB UNO
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Abschließend können wir festhalten, dass Reboard-Kindersitze, die den Plus-Test bestanden haben, für die kleinen Passagiere ein hohes Maß an Sicherheit bieten.

Allerdings heißt das im Umkehrschluss nicht, dass andere rückwärtsgerichtete Kindersitze nicht sicher sind. Vielleicht wurden sie beim VTI nur (noch) nicht zum Plus-Test vorgestellt oder haben auf Grund der Möglichkeit, auch vorwärts genutzt zu werden, keine Chance, den Test zu bestehen. 

Weitere Informationen zum schwedischen Plus-Test für Kindersitze finden Sie hier

 

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