Achtung Misuse: Die häufigsten Fehler bei der Nutzung einer Babyschale

Seit vielen Jahren führt die Unfallforschung der Versicherer (UDV) Studien zum Gebrauch von Kindersitzen durch. In diesen sogenannten Misuse-Studien geht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft Fehlern bei der Bedienung von Babyschalen und Kindersitzen auf den Grund.

Dazu geht die UDV auf der Straße, vor Einkaufszentren, vor Kindergärten usw. auf Eltern und andere Betreuungspersonen mit kindersitzpflichtigen Kindern im Auto zu und befragt diese zur Sicherung von Kind und Kindersitz. Im Anschluss prüfen die Mitarbeiter, ob die kleinen Passagiere auch wirklich korrekt angeschnallt sind, ob sie im passenden Kindersitz sitzen und ob dieser richtig im Auto befestigt ist.

Die Ergebnisse der Studien zur Fehlbedienung sind jedes Mal aufs Neue erschreckend. Leider bildet auch das aktuellste keine Ausnahme: Auch im Jahr 2017 war jedes zweite Kind im Auto falsch gesichert!

Am häufigsten betrifft Misuse leider die Allerkleinsten: In Gruppe 0/0+, also bei den Babyschalen, fanden die Prüfer mehr falsch als richtig gesicherte Babys. In 54 % (!) der Fälle wurde eine Fehlbedienung festgestellt.

Wir möchten deshalb unsere Reichweite nutzen und Sie an dieser Stelle für die wichtigsten Fehler beim Einbau von Babyschalen und bei der Sicherung Ihres Kindes sensibilieren. Bitte nehmen Sie sich die Zeit und prüfen Sie, ob Ihr Kind im Auto richtig gesichert ist.

Das sind die häufigsten Fehler bei der Nutzung einer Babyschale

Baby in die Schale, Babyschale ins Auto und sicher unterwegs? Schön wär’s. Leider sitzen die meisten Babys in ihren Kindersitzen nicht sicher. Wir haben die wichtigsten Fehler bei der Nutzung der Babyschale an dieser Stelle gesammelt.

Lesen Sie aufmerksam, prüfen Sie den Einbau Ihrer Schale und die Gurte an Ihrem Kind bei der nächsten Autofahrt vorsichtshalber noch einmal nach. Damit Ihr Baby auch bei einem Unfall sicher von seiner Babyschale beschützt wird.

Typische Fehler beim Einbau der Babyschale

1. Airbag aus bei rückwärtsgerichteten Kindersitzen!

Bitte festhalten: Jede 6. Babyschale steht bei aktiviertem Airbag auf dem Beifahrersitz! Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt die UDV bei ihrer aktuellen Erhebung. Dabei sollte dank Warnaufklebern auf dem Airbag und auch auf den Babyschalen eigentlich jedem Elternteil klar sein, dass der Airbag für Kinder in rückwärtsgerichteten Kindersitzen eine große Gefahr birgt.

Was kann passieren, wenn ein rückwärtsgerichteter Kindersitz trotz aktiviertem Airbag auf dem Beifahrersitz eingebaut wird?

Der ADAC hat vor einigen Jahren Crashtests durchgeführt, bei denen Babyschalen auf Plätzen mit aktiviertem Airbag eingebaut wurden und im Anschluss noch einmal eine Warnung herausgegeben, denn:

Ihrem Baby drohen tödliche Verletzungen!

Bei einem Aufprall trifft der Airbag die Babyschale mit voller Wucht, sie wird gegen die Lehne des Vordersitzes geschleudert. Die Nacken- und Kopfbelastungswerte des Babys waren im ADAC-Test durch den Airbag bei einer gegurteten Babyschale doppelt so hoch, bei einer Schale mit Basisstation sogar dreimal so hoch wie bei einem einem Crash, bei dem sich der Airbag nicht entfaltet.

Das heißt: Während ein Baby einen Frontalcrash mit 64 km/h in seiner Babyschale normalerweise nahezu unverletzt übersteht, drohen ihm allein durch die Wucht des Airbags schon bei Bagatellunfällen schwerste und sogar tödliche Kopf- und Nackenverletzungen.

Ein Grund mehr, vorsichtshalber noch einmal zum Auto zu gehen und zu prüfen, ob der Airbag auch wirklich abgeschaltet ist.

2. Babyschalen niemals vorwärts einbauen!

Babyschalen werden immer entgegen der Fahrtrichtung in das Auto eingebaut. Der Grund dafür ist, dass die Kleinen beim gefährlichen Frontalaufprall so viel besser geschützt werden.

Der Kopf und auch das Genick der Allerkleinsten sind noch sehr empfindlich. Es ist deshalb besonders wichtig, dass die Kräfte, die bei einem Unfall entstehen, nicht allein vom Kopf abgefangen werden, wie es bei einem Vorwärtssitz der Fall ist. In einer Babyschale oder einem Reboarder wird Ihr Kind bei einem Frontalcrash in seinen Kindersitz gedrückt. Die Energie verteilt sich großflächig über den Rücken des Kindes bzw. die Sitzschale seines Baby- oder Kindersitzes. Ihr Baby sitzt rückwärtsgerichtet bis zu 5mal sicherer als in Fahrtrichtung!

Sie wussten das natürlich bereits? 4% der Eltern, die die UDV aufgesucht hat, leider nicht, denn diese in unseren Augen sehr hohe Prozentzahl an Eltern oder anderen Betreuungspersonen installierte die Babyschale in Fahrtrichtung.

3. Beachten Sie die Gurtführung an der Babyschale!

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die Gurtführung an Ihrer Babyschale markiert ist? Das Gesetzt schreibt vor, dass die Gurtführung an Babyschalen blau gekennzeichnet ist und es ist ganz wichtig, dass Sie den Gurt durch die Führung (üblicherweise vorne und hinten an der Schale) fädeln. Nur so ist Ihre Babyschale auch wirklich sicher installiert und kann Ihr Baby auch bei einem Unfall gut schützen.

Achten Sie außerdem immer darauf, dass der Gurt, mit dem Sie die Babyschalen angurten, nicht verdreht ist.

Achtung bei Schalen mit Gurtbefestigung: Verwechseln Sie nicht Becken- und Schultergurt!

Einer der häufigsten Fehler beim Einbau einer Babyschale ist leider, dass Eltern den oberen und den unteren Gurt vertauschen – diese Verwechslung kann schwerwiegende Folgen für Ihr Kind haben, denn die Schale hat in diesem Fall überhaupt keinen Halt. Sie können dies in diesen beiden Bildern sehr deutlich sehen: Diese zeigen einen Crashversuch des UDV mit einer richtig installierten Babyschale links und einer falsch installierten Babyschale rechts:

Crashtest richtig falsch installierte Babyschale Gurte vertauscht
Voverlagerung der Babyschale bei richtig installierter Babyschale (links) und falsch installierter Babyschale (rechts) / © UDV Miuse-Studie 2018

Becken- und Schultergurt vertauscht: Der Crashtest

Im Video der UDV sehen Sie auch noch einmal genau, was passiert, wenn Becken- und Schultergurt vertauscht sind: 

So sichern Sie die Babyschale richtig:

  1. Stellen Sie die Schale so auf den Autositz, dass die Seite, auf der sich die Babyfüßchen befinden, an der Rückenlehne des Autositzes anlehnt.
  2. Nehmen Sie jetzt den Gurt und führen ihn – wie beim Erwachsenen – erst über den Schoß des Babys und beachten Sie dabei die blaue Beckengurtführung.
  3. Stecken Sie die Gurtzunge ins Gurtschloss und ziehen Sie schon einmal ordentlich fest.
  4. Der Schultergurt wird erst jetzt um die Schale herum und dabei durch die blaue Gurtführung an der Rückseite des Sitzes geführt.
  5. Ziehen Sie den Gurt jetzt noch einmal straff und prüfen Sie durch Wackeln / leichtes Ruckeln am Sitz, ob die Babyschale auch wirklich fest steht.

Achten Sie auf unsere Hinweise im Bild und prüfen Sie den Einbau Ihrer Babyschale:

Schwerer Misuse Becken- und Schultergurt beim Einbau der Babyschale vertauscht

4. Lockere Gurte an der Babyschale - die Gefahr der Gurtlosen

Mit einer Häufigkeit von fast 25% aller Installationsfehler ist die Gurtlose im Fahrzeuggurt ein weit verbreiteter Fehler. 

Gurtlose bedeutet:

Der Sicherheitsgurt ist zu weit vom Kind oder Sitz entfernt. Der Autogurt kann bei einer starken Bremsung oder einem Unfall nicht rechtzeitig greifen. Genau wie beim Anschnallen des Kindes ziehen Eltern auch beim Einbau Ihrer Babyschale oft die Gurte nicht fest genug.

Achten Sie deshalb beim Anschnallen der Babyschale unbedingt darauf, dass der Autogurt an allen Stellen des Sitzes straff ist.

  • Ziehen Sie den Drei-Punkt-Gurt ein erstes Mal fest, wenn Sie den Beckengurt durch die Gurtführung gelegt und das Gurtschloss geschlossen haben.
  • Straffen Sie den Gurt ein weiteres Mal, wenn Sie den Schultergurt um die Schale geführt haben.

Vergewissern Sie sich im Anschluss noch einmal, dass der Gurt überall fest ist, nicht verdreht ist und keine Falten sichtbar sind.

Fehler bei Babyschalennutzung
© UDV / MIsuse-Studie 2018

5. Der Tragebügel der Babyschale ist nicht (nur) zum Tragen da

Funfact: Der Tragebügel der Babyschale ist gar nicht wirklich zum Tragen da – jedenfalls ist das nicht seine einzige Funktion.

Haben Sie in der Anleitung zu Ihrer Babyschale nachgelesen, in welcher Position der Bügel Ihrer Babyschale beim Fahren stehen muss? Nein? Dann sollten Sie das zeitnah nachholen, denn der vermeintliche Tragebügel hat noch eine viel wichtigere Funktion als das Tragen des Kindersitzes zu ermöglichen: er dient bei einem Unfall als Überrollbügel!

Bei den meisten Babyschalen auf dem Markt muss der Überrollbügel der Schale in senkrechter Position stehen. Diese Position sorgt dafür, dass Ihr Baby bzw. sein Kopf bei einem Crash nicht gegen die Rückenlehne des Autositzes geschleudert wird. Der Bügel schafft damit auch einen wichtigen Überlebensraum. Aber Achtung: Einige Babyschalen sind so konstruiert, dass der Tragegriff beim Fahren zu den Füßen oder dem Kopf des Kindes geklappt werden muss. Auch diese Positionen sind sicher, wenn der Hersteller sie so vorgibt.

Lesen Sie auch deshalb immer die Anleitung zu Ihrer eigenen Babyschale, um zu wissen, in welcher Position sich der Überrollbügel der Schale beim Fahren befinden muss.

6. Stützfuß trotz Staufach im Boden

Die meisten Babyschalen können mit dem Autogurt befestigt werden, zur einfacheren Installation bieten viele Kindersitzhersteller daneben auch eine Basisstation für die Babyschale an.

Auch bei den Basisstationen gibt es verschiedene Sicherungssysteme. Manche werden mit Gurt, die meisten allerdings mit Isofix befestigt. Beiden Systemen gemeinsam ist, dass sich an der Unterseite der Base ein Bein befindet. Dieser Stützfuß fängt die Kräfte, die bei einem Unfall entstehen, ab und leitet sie in den Fahrzeugboden weiter. Er verhindert außerdem ein „Tauchen“ der Babyschale nach unten.

Staufächer im Fahrzeugboden? Bitte einmal die Autoteppiche anheben!

Eine Bassistation (oder auch ein Kindersitz) mit Stützfuß darf nicht überall im Auto befestigt werden. Bei der sogenannten semi-universellen Zulassung, die jeder Sitz oder jede Base mit Standbein hat, müssen Sie die Typenliste des Kindersitzherstellers beachten und das Handbuch Ihres Autos.

Außerdem wichtig: Achten Sie auf Staufächer!

Die an sich praktischen Bodenfächer im Fahrzeugboden einzelner Autos erweisen sich beim Kindersitzeinbau häufig als tückisch, denn – je nach Auto- und Kindersitzmodell – dürfen diese Autositzplätze überhaupt nicht benutzt werden oder die Fächer müssen zunächst gefüllt werden, bevor sie belastet werden dürfen.

Bei einem Aufprall mit 50 km/h Geschwindigkeit wird der Stützfuß der Basisstation mit ca. einer Tonne Gewicht belastet. Diese Last wirkt punktuell, der Deckel des Staufachs kann einbrechen und Ihre Base bzw. der Kindersitz bei einem Unfall nach unten wegrutschen. Es droht Lebensgefahr für Ihr Baby!

Prüfen Sie deshalb vor Einbau einer Basisstation für die Babyschale

  1. Sind in Ihrem Fahrzeug Staufächer vorhanden? (Teppiche unbedingt hochheben!)
  2. Was steht im Handbuch Ihres Autos? Darf auf diesem Sitzplatz ein Kindersitz mit Stützfuß eingebaut werden? Wenn ja: Muss das Bodenfach gefüllt werden? Darf der Stützfuß ins offene Fach? Vor oder hinter das Bodenfach?
  3. Steht Ihr Fahrzeug in der Fahrzeugtypenliste des Kindersitzes? Darf der Kindersitz auf einem Sitzplatz mit Staufach eingebaut werden?

Achtung auch beim Mittelsitz der Rückbank!

Bodenfächer sind zwar auf dem mittleren Sitzplatz im Fond seltener vorhanden, trotzdem ist der Einbau von Babyschalen mit Basisstation an der Stelle oftmals nicht erlaubt, denn in der Mitte laufen oft (Kabel)tunnel und es ist nicht gewährleistet, dass der Fußboden stabil genug ist. Auch bei diesem Thema hilft das Handbuch Ihres Fahrzeugs weiter: Dort finden Sie genaue Angaben dazu, ob auf dem mittleren Platz Kindersitze stehen dürfen und Sitze welcher Kindersitzgruppe dort eingebaut werden dürfen.

Checkliste: Einbau der Babyschale

Das wichtigste zuerst: Eine Babyschale, die ohne Basisstation in das Auto eingebaut wird, muss immer mit dem Gurt befestigt werden.

Der Autogurt ist zu kurz, um die Babyschale zu befestigen?

Manche Autos sind überall oder an einzelnen Sitzplätzen mit sehr kurzen Gurten ausgestattet. Wenn Sie ein solches Auto haben, kann es sein, dass Sie die gewünschte Babyschale nicht befestigen können. Klemmen Sie die Babyschale auf keinen Fall nur zwischen den Sitzen fest, denn sie würde bei einem Unfall schutzlos durch das Auto geschleudert, für Ihr Kind wäre das lebensgefährlich!

Probieren Sie stattdessen zunächst aus, ob die Gurte an einem anderen Sitzplatz länger sind. Finden Sie keinen geeigneten Platz für die Babyschale, fahren Sie am besten zu einem Fachhändler für Kindersitze, um eine Babyschale auszuprobieren, für deren Einbau weniger Gurt benötigt wird. Alternativ gibt es auf dem Kindersitzmarkt auch einige Basisstationen, die statt mit Isofix mit dem Autogurt befestigt werden. Auch für den Einbau dieser sogenannten „Belted Bases“ brauchen Sie nur wenig Gurt.

Misuse: Fehler beim Sichern des Kindes in der Babyschale

1. Nach fest kommt nicht ab, sondern fest genug - Gurte immer richtig straffen

Schon beim Einbau der Babyschale haben wir gesehen, dass die Befestigung der Schale mit dem Gurt problematisch ist: Viele Eltern straffen den Gurt nicht fest genug. Und auch beim Sichern des Babys in der Schale sind zu lockere Gurte am Kind das größte Problem.

Die Ergebnisse aus der Misuse-Studie des UDV sind erschreckend eindeutig: Von 202 Personen, die Ihr Baby in der Babyschale falsch sicherten, strafften 94 % die Gurte nicht richtig:

Zu locker anschnallen Misuse UDV Studie
Die häufigsten Fehler beim Sichern des Kindes / © UDV Misuse-Studie 2018

Richtig anschnallen in der Babyschale und im Kindersitz - eine Anleitung

  1. Setzen bzw. legen Sie Ihr Baby in die Schale. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind gerade, mittig und nicht im Hohlkreuz sitzt.
  2. Legen Sie die Schultergurte rechts und links nah an den Hals. Das ist wichtig, damit die Gurte bei einer Bremsung oder einem Aufprall nicht von der Schulter Ihres Babys rutschen.
  3. Führen Sie nun die Gurte gerade an Ihrem Kind nach unten und stecken Sie die Gurtzunge ins Gurtschloss.
  4. Beim 3-Punkt-Gurt (Y-Gurt): Ziehen Sie jetzt fest an der zentralen Gurtverstellung an der Unterseite der Schale. Prüfen Sie im Anschluss, ob die Gurte fest genug sind und straffen Sie sie gegebenenfalls noch einmal nach.
  5. Beim 5-Punkt-Gurt (Hosenträgergurt): Straffen Sie immer zuerst die unteren Gurte, indem Sie die oberen Gurte bei geschlossenem Gurtsystem knapp über dem Gurtschloss greifen und Richtung Kopf Ihres Kindes ziehen. Nutzen Sie erst danach den Zentralgurt der Schale und ziehen Sie damit das komplette Gurtsystem fest. Die Gurte sind noch zu locker? Ziehen Sie noch einmal nach und beachten auch dabei die Reihenfolge: erst unten straffen, dann oben.

Unser Anschnalltipp: Während Sie das Gurtsystem mit einer Hand straffen, können Sie mit der zweiten Hand unter die Gurte am Kind greifen und diese dabei noch ein wenig in Richtung Hals halten. So liegen die Gurte später besser an. Zeitgleich bemerken Sie, wie fest die Gurte am Kind sind und können Ihre Kraft besser regulieren. Achten Sie hierbei darauf, dass Kleidungsstücke wie Schal, Kapuze oder Halstuch nicht bewirken, dass die Gurte von den Schultern rutschen.

Außerdem wichtig: Ziehen Sie die Gurte beim Abschnallen immer lang, denn Ihr Kind wächst, seine Haltung in der Schale ist nicht immer komplett gleich und es trägt unterschiedliche Kleidung. So gehen Sie sicher, dass die Gurtspannung auch beim nächsten Anschnallen wieder korrekt ist.

Richtig anschnallen in Babyschalen mit 5-Punkt-Gurt

Anschnallen: Wie fest ist fest genug?

Unsere Erfahrung beim Thema Anschnallen: Zu fest gibt es eigentlich nicht. Die meisten Eltern schnallen Ihre Kinder (viel) zu locker an – insbesondere bei Neugeborenen und jungen Babys ziehen Mama und Papa oft nur zaghaft am Gurt, um den Kleinen nicht weh zu tun.

Pinch-Test: So finden Sie heraus, ob der Kindersitzgurt fest genug ist

Sie sind sich nicht sicher, wie fest die Gurte in der Babyschale oder im Kindersitz sein müssen? Machen Sie den Quetsch-Test!

So prüfen Sie die Gurtspannung:

Schnallen Sie Ihr Kind an. Versuchen Sie nun, den Gurt mit Ihrem Daumen (unten) und dem Zeigefinger (oben) zu greifen. Wenn Sie zwischen beiden Fingern eine Schlaufe machen können (Bild links), ist der Sicherheitsgurt nicht fest genug gespannt.

Straffen Sie in diesem Fall die Gurte unbedingt nach und wiederholen Sie den Pinch-Test!

Gurte Babyschale fest locker straff anschnallen
Schlaufe im Gurt möglich? Gurte unbedingt fester straffen!
Trauen Sie sich, die Babyschale mit angeschnalltem Baby kopfüber zu halten? Probieren Sie das bitte auf keinen Fall aus, nutzen Sie aber das Bild vor Ihrem inneren Auge, um immer darauf zu achten, die Gurte richtig straff zu ziehen!
Kindersitzberater Berlin Sarah Behrendt
Sarah Behrendt
Geschäftsführerin bei Familie Bär

2. Dicke Kleidung und Winterjacken im Kindersitz

Dicke Winterkleidung unter dem Gurtsystem ist richtig gefährlich! Verzichten Sie deshalb unbedingt auf Schneeanzüge, Daunenjacken oder andere dicke Kleidung in der Babyschale und im Kindersitz.

Gurte müssen immer eng am Körper anliegen, damit sie rechtzeitig greifen können.

Wenn Sie Ihr Kind mit Winterkleidung anschnallen, kommen die Gurte nicht nah genug an den Hals und den Körper Ihres Kindes. Auf den ersten Blick mögen die Gurte vielleicht sogar fest aussehen, die Wucht bei einer Notbremsung oder einem Aufprall führt allerdings dazu, dass die Luft aus der Kleidung Ihres Kindes gepresst wird und der Abstand zwischen den Sicherheitsgurten und dem Körper Ihres Kindes sehr groß wird. Dieser Zustand wird auch als Gurtlose bezeichnet.

Bei einer Gurtlose greifen die Gurte bei einem Unfall zu spät oder gar nicht. Es besteht die Gefahr, dass Ihr Kind aus dem Kinderitz geschleudert wird!

In unserem Blogartikel zum Thema Winterkleidung im Auto finden Sie weitere Tipps zum Thema: Jacke aus im Kindersitz!

Skianzug Kindersitz gefährlich Puppe Babyschale
Vermeiden Sie dicke Winterkleidung im Kindersitz und nutzen Sie stattdessen besser dünne Kleidung aus Fleece oder Wollwalk und / oder eine Decke

3. Die Babyschale wächst mit: Gurte und Kopfstützenhöhe verstellen!

Denken Sie daran, dass die Babyschale mitwächst.

Sie können die Höhe der Gurte und der Kopfstütze verstellen. Manchmal müssen Sie die Gurte ausfädeln und in eine höhere Stufe legen, bei anderen Schalen können Sie Kopfstütze und Gurte synchron und mit einer Hand verstellen.

Wie die Verstellung bei Ihrer Babyschale gelöst ist, finden Sie durch Lesen der Anleitung heraus. Achten Sie auf jeden Fall darauf, das Gurtsystem und die Kopfstütze regelmäßig Ihrem wachsenden Baby anzupassen, denn nur eine optimal angepasste Babyschale kann Ihr Kind gut schützen.

Babyschale für kleine und große Babys / Mitwachsfunktion

4. Sitzverkleinerer und Gurtpolster der Babyschale: Rein? Raus? Verloren?

Sitzverkleinerer / Inlets für die Babyschale

Ganz wichtig bei der Babyschale: Der Sitzverkleinerer, oft auch als Neugeboreneninlet, Babyeinsatz oder Nestchen bezeichnet. Gute Schalen wachsen mit Ihrem Baby mit und verfügen meist über kleinere oder größere Sitzkissen mit ohne Kopfteil. Diese sorgen dafür, dass die Allerkleinsten in der Babyschale optimal liegen können und der Abstand zwischen Ihrem Kind und der Sitzschale des Kindersitzes verkleinert wird. Sie dienen also nicht nur dem Komfort, sondern auch der Sicherheit Ihres Kindes.

  • Benutzen Sie deshalb immer den Verkleinerer zu Ihrer Babyschale (und kaufen Sie diesen nach, falls Sie ihn verloren haben) und
  • Entfernen Sie das Inlet zu gegebener Zeit wieder. In der Bedienungsanleitung zu Ihrer Babyschale finden Sie Hinweise dazu, wie lang der Verkleinerer genutzt werden muss und ob er anpassbar ist bzw. wann Teile davon entfernt werden müssen.

Die Gurtpolster der Babyschale

Die Schultergurtpolster der Babyschale schützen den Hals Ihres Baby. Daneben verteilen Sie die Energie, die bei einem Unfall entsteht. Das heißt: Auch sie haben eine Sicherheitsfunktion. Daneben sind sie Teil des Bezugssystem Ihres Kindersitzes, das heißt: Sie müssen diese zwingend verwenden.

Greifen Sie immer und ausschließlich auf die originalen Gurtpolster zurück und kaufen Sie keine anderen, da Ihre Babyschale nur mit genau diesen Polstern getestet und zugelassen ist.

Wenn Sie ein oder beide Gurtpolster verloren oder verlegt haben, dürfen Sie Ihre Babyschale nicht mehr nutzen bzw. müssen neue Polster kaufen. Diese erhalten Sie in der Regel bei Ihrem Händler und manchmal auch beim Kindersitzhersteller.

Auch in unserem Kindersitzgeschäft in Berlin erhalten Sie Ersatzteile für Ihre Babyschale.

5. Die Babyschale ist längst zu klein

Auch das sehen wir leider immer wieder in unserem Kindersitzgeschäft: Das Baby sitzt noch in der Babyschale, obwohl es schon zu groß oder zu schwer für die Schale ist.

Sie sollten von der Babyschale in den nächsten Kindersitz wechseln:

  • wenn der Kopf Ihres Kindes am Schalenrand ankommt. Das ist der allerspäteste Zeitpunkt für einen Wechsel. Steigen Sie im besten Fall bereits 2-3 cm vorher in einen Reboarder um.
  • wenn Ihr Baby die Zulassungsgrenzen der Babyschale erreicht hat (maximales Körpergewicht bzw. maximale Körpergröße bei i-Size-Sitzen).

Kein Grund für einen Wechsel in den nächstgrößeren Sitz sind überstehende Beine. Es ist völlig normal und ungefährlich, wenn die kleinen Beinchen irgendwann über den Schalenrand ragen.

Weitere wichtige Punkte im Umgang mit der Babyschale

Kaufen Sie keine Babyschale unbekannter Herkunft

Glauben Sie uns: Eine Babyschale kann wie neu aussehen und trotzdem einen schweren Unfall hinter sich haben. Für das Auge unsichtbare Haarrisse im Inneren können dennoch verhindern, dass die Schale Ihr Kind auch bei einem zweiten Unfall gut schützt. Schon ein Sturz aus ca. 100 cm Höhe kann gravierende Schäden im Inneren der Babyschale hervorrufen.

Nutzen Sie deshalb nur dann eine gebrauchte Babyschale, wenn Sie den Besitzer und die Vorgeschichte der Babyschale kennen und prüfen Sie, ob Gurtpolster und Sitzverkleinerer vorhanden sind. Ziehen Sie außerdem den Bezug ab und begutachten auch das Styropor der Babyschale.

Lassen Sie die Finger von der Schale, wenn Sie ein schlechtes Bauchgefühl haben. 

Babyschale unterschiedliche Sortiment

Tauschen Sie die Babyschale aus, wenn die maximale Nutzungsdauer erreicht ist

Aktuell sind drei Kindersitznormen parallel gültig: ECE R 44/03, 44/04 und R 129. Auf dem Zulassungsaufkleber Ihrer Schale können Sie erkennen, ob die Babyschale noch der gültigen Norm entspricht. Beachten Sie außerdem den vom Kindersitzhersteller maximal vorgegebenen Nutzungszeitraum, der meist in der Bedienungsanleitung angegeben ist und je nach Hersteller zwischen 3 und 10 Jahre beträgt.

Nur wenige Hersteller verwenden laut eigenen Angaben Materialien, die für einen längeren Nutzungszeitraum ausgelegt sind. Eine Babyschale ist Frost und praller Sonne ausgesetzt, sie wird ständig getragen, sie stößt an der Wand, der Tür usw. an.

Wir raten Ihnen deshalb, die Babyschale nicht länger zu nutzen als der Kindersitzhersteller empfiehlt. Eine Babyschale, die älter als 10 Jahre ist, sollten Sie alleine aufgrund des technischen Fortschritts austauschen und besser auf ein Modell zurückgreifen, das dem aktuellen Stand der Kindersitztechnik entspricht.

Unfall mit der Babyschale? Ersetzen Sie Sitz und Basisstation

Denken Sie daran: Nach einem Unfall müssen Sie Ihre Babyschale (und auch jeden anderen Kindersitz und die zugehörige Basisstation) austauschen – auch dann, wenn die Schale auf den ersten Blick unversehrt aussieht.

Durch den Aufprall können Haarrisse im Inneren der Babyschale entstanden sein, die dafür sorgen können, dass die Schale Ihren Nachwuchs bei einem weiteren Unfall nicht mehr schützen kann.

Zögern Sie deshalb nicht und ersetzen Sie Ihre Babyschale nach einem Unfall!

Unsere Unfallsaustauschgarantie

Wenn Sie Ihre Babyschale in unserem Kindersitzgeschäft in Berlin kaufen, profitieren Sie von unserer Unfallaustauschgarantie. Wir ersetzen Ihre Kindersitze nach einem Unfall kostenlos und unkompliziert.

Kerstin

Kerstin

Onlinemarketingmanagerin bei Familie Bär
Kerstin ist der Onlinemarketingbär im Team von Familie Bär. Sie schreibt leidenschaftlich gerne Texte und hält mit fünf zeitgleich rückwärts fahrenden (eigenen) Kindern im selben Auto den inoffiziellen Rekord unter den Reboardeltern.

Als Mama von zwei Mädchen und fünf Jungs, von denen der Älteste bereits im Jahr 2010 in einem Reboardkindersitz saß, verfügt sie über reichlich Kindersitzfachwissen, das sie in ihren Blogartikeln gerne mit anderen teilt.

Kerstin liebt es, Dinge zu hinterfragen und ist deshalb unter anderem für unsere Analysen zum ADAC Kindersitztest zuständig. Wenn sie nicht gerade mit dem ADAC telefoniert, setzt sie sich dafür ein, dass auch Playmobilmännchen in den ersten vier Lebensjahren rückwärts fahren.
Kerstin

 

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